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Frischer Wind fürs Bibertal - BIB Bürgerinteressenvertretung Bibertal e.V.

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Bibertal bekommt ein neues Rathaus

Die Gemeinde mietet in einem Neubau 380 Quadratmeter an. Die Räte diskutieren kontrovers: Die einen sprechen von einer einmaligen Chance, die anderen von zu hohen Kosten.

Bibertal bekommt ein neues Rathaus. Und zwar in dem großzügigen Geschäftsgebäudes, das der Echlishauser Sascha Allerberger in Bühl auf dem Areal des ehemaligen Gasthofs Sonne bauen möchte. Nach einer Entscheidung des Gemeinderates mit den Gegenstimmen von Freien Wählern und der Bürgerinitiative Bibertal (BIB) wird die Gemeinde dort rund 380 Quadratmeter anmieten. Auf den restlichen Flächen des dreigeschossigen Baus sind Mieter aus den Bereichen Medizin, Versicherung und Finanzen geplant, keine Geschäfte oder Lokale.

Zum einen zum bisherigen Rathaus, das in den 1950er Jahren als Lehrerwohnung konzipiert und gebaut wurde und seit 1978 als Verwaltungssitz Bibertal dient.

Einzige große Umbaumaßnahme war der Ausbau des Dachgeschosses als Sitzungssaal und Trauzimmer. Energetisch saniert wurde nichts. Das Rathaus ist nicht barrierefrei, hat nur kleine Büros, keine Besuchertoiletten und eine schlechte Parkplatzsituation.

Zum anderen zu den Rahmenbedingungen für die Anmietung von Räumen auf dem Gasthof-Sonne-Areal: „Die Kaltmiete wird unter 35000 Euro im Jahr betragen, gemietet wird auf zehn Jahre Dauer mit der Möglichkeit auf maximal 25 Jahre zu verlängern“, sagte Preußner. Neben- und Betriebskosten seien in der gleichen Höhe wie im alten Rathaus, lediglich 680 Euro pro Jahr kämen für die Wartung des Aufzugs hinzu. Einmalig müsste Bibertal für den Umzug und einer damit verbundenen Neueinrichtung der Verwaltung 178000 Euro ausgeben. Diese Summe hat Architekt Martin Brenner kalkuliert.

Er hat auch den Zuschnitt des Rathaustrakts im straßenabgewandten Teil des Neubaus geplant und in der Sitzung vorgestellt. „Im Erdgeschoss findet das stark frequentierte Bürger-Service-Center mit Standesamt, Einwohnermeldeamt und Bauverwaltung, sowie der Bereich des Sitzungssaals seinen Platz“, sagte Brenner. Im Obergeschoss seien Bürgermeister, Kämmerei, Besprechungsraum, Technik- und Sozialräume untergebracht. Brenner legt Wert auf natürliches Licht in allen Büros und ermöglicht eine externe (Sitzungs-)Saalnutzung durch einen separaten Eingang.

In der ausführlichen Diskussion, an der sich fast alle Ratsmitglieder beteiligten, legte sich die Fraktion der Freien Wähler als erste fest. Manfred Kammerer (FW) sagte: „Die Freien Wähler lehnen die Anmietung geschlossen ab.“ Momentan sei kein zusätzlicher Büroraum nötig, man habe immer eine schlanke Verwaltung gewollt. Dann verteilten die Freien Wähler eine Aufstellung der Ausgaben für eine zehnjährige Anmietung. Leonhard Deutschenbaur (FW) rechnete darin zu Miete (350000 Euro) und Umzug/Inneneinrichtung (180000 Euro) weitere 80000 Euro für höhere Nebenkosten im Vergleich zu denen im bisherigen Rathaus dazu und meinte: „Manche rechnen sich die Zahlen schön.“ Kammerer fasste zusammen: „600000 Euro ohne Not auszugeben, dazu sind die Freien Wähler nicht bereit.“

 

Ganz andere Prioritäten setzte die CSU-Fraktion. Michael Linder sprach sich für die Anmietung aus: „Wenn ein Angebot vorliegt, muss man sich Gedanken machen und wir haben jetzt die Gelegenheit, moderne, funktionelle Rathausräume zu bekommen, die behindertengerecht sind. Auch da stehen wir gegenüber dem Bürger in der Pflicht.“ Seine Fraktionskollegin Carola Pröbstle betonte, dass die Mitarbeiter der Verwaltung modernere Räume verdient hätten.

Manfred Kramer (SPD) stellte fest: „Das Rathaus ist in die Jahre gekommen, jetzt haben wird eine einmalige Chance, auf ein hochwertiges Gebäude auf dem neusten Stand der Technik. Für die Zukunft haben wir mit einem Zehn-Jahres-Mietvertrag doch alle Optionen offen.“ Er führte drei Alternativen an: einen sehr teuren Neubau, die Nutzung von Leerständen in Schule oder Pfarrhof oder das Angebot der Miete zu einem lukrativen Preis, was er eindeutig befürworte.

Dritter Bürgermeister Hubert Wolf (FW) ließ nicht locker: „Privat wollen wir alle ein eigenes Haus, doch für das Rathaus gehen wir in Miete. Es gibt doch die Möglichkeit, mit Fördergeldern das Rathaus hinüber zur Schule zu erweitern oder im Süden einen Querbau anzubauen oder das Nachbargrundstück für eine Neukonzeption zu erwerben.“ Auch Fritz Deutschenbaur (BIB) sprach sich gegen die Anmietung aus: „Ich habe ein Angebot von einem Generalunternehmer, der ein Rathaus mit rund 400 Quadratmeter Flächenbedarf für 600000 Euro schlüsselfertig baut. Dann brauchen wir doch keine Mieträume mit einem Eingang um die Ecke.“ Im Übrigen stellte er den Antrag auf Vertagung der Entscheidung bis zu Januar-Sitzung: „Ich möchte noch mehr die Stimmung der Bürger ausloten.“ Diesen Antrag befürwortete er aber als einziger.

Zuletzt bezog Bürgermeister Oliver Preußner Position: „Es spielt keine Rolle, ob das Rathaus repräsentativ ist. Es soll den Ansprüchen der Bürger und Mitarbeiter genügen. Ich finde es gut, dass in dem neuen Gebäude im Verbund mit den anderen Mietern ein Zentrum für Finanzen, Medizin und Verwaltung entsteht, mitten im Dorf und dank Bushaltestellen gut erreichbar.“

Am Ende stimmte der Gemeinderat mit zehn zu fünf Stimmen für die Anmietung. Gleichzeitig wurde Architekt Martin Brenner als Planer beauftragt. Sein Honorar beträgt 14300 Euro. Während sich Preußner nach der Abstimmung offen freute, sagte eine Zuhörerin beim Gehen, dass sie das nicht gut finde: Der Preis von 600000 Euro verteilt auf zehn Jahre sei viel zu hoch.

Quelle: Günzburger Zeitung vom 19.12.2014 (Online-Ausgabe)

 

 
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